Yinka Shonibare MBE | Skulpturenpark Cannonball Paradise

Sonntag 27 April 2014 - 00:00 bis Sonntag 12 Oktober 2014 - 00:00
Gerisch Stiftung, Neumünster

Ein leuchtendfarbiges Stofftuch weht einen Sommer lang durch den Gerisch-Skulpturenpark, sechs Meter hoch und vier Meter breit: Den farbkräftigen Akzent hat der in London lebende Yinka Shonibare MBE – 1962 in London geboren, in Lagos/Nigeria aufgewachsen – mit seiner speziell für diesen Ort geschaffenen Wind Sculpture vor die altehrwürdige Villa Wachholtz gesetzt.

Vorlagen bieten afrikanische Waxprint Tücher. Bekannt vor allem von jenen westafrikanischen Umhängen und Kleidern, die mit ihren bunten, ornamentalen Mustern so sehnsuchtsbeladene Vorstellungen von afrikanischer Exotik hervorrufen, sind sie Grundbestandteil zahlreicher Arbeiten von Shonibare. Charakteristisch für sein Werk sind Figuren, deren viktorianische Kostüme aus diesen Stoffen bestehen. Provokant positioniert ergeben sie ein bizarres Bild, aus dem ein subtiles Spiel mit stereotypen Vorstellungen von Rasse, Klasse und Kultur spricht. Denn, obwohl die verwendeten Stoffe bis heute als ‚original afrikanisch’ gelten, hat das hierfür notwendige Wachsdruckverfahren seinen historischen Ursprung nicht in Afrika, sondern im indonesischen Java. Großenteils in den Niederlanden oder England produziert ist es ein Exportprodukt europäischen Kolonialismus. Die mit ihnen in Verbindung gebrachte vermeintliche Authentizität erweist sich als Konstrukt; scheinbar politischkulturelle Wahrheiten über Afrika entpuppen sich als vielschichtige Brechungen vor dem Hintergrund europäisch geprägter Traumbilder. Die kritische Auseinandersetzung mit der beide Kontinente verbindenden Kolonial-Geschichte verleiht Shonibares Werk seine besondere Attraktivität, dies umso mehr als er sie in eine farbenfroh lebenslustige Erzählfreude kleidet.

Öffnungszeiten Skulpturenpark (27. April - 12. Oktober 2014)

Mittwoch bis Freitag, 11:00 bis 18:00

Samstag / Sonntag 11:00 bis 19:00

Ticketpreise: 6 € (ermäßigt 5 €)