Britische Produktionen beim Festival „Foreign Affairs” 2014

Freitag 04 Juli 2014 - 00:00 bis Samstag 12 Juli 2014 - 00:00
Haus der Berliner Festspiele

Hofesh Shechter: Sun I Tanz I 4. und 5. Juli, 20:00

In Shechters verstörender Produktion „Sun“ wird die Perfektion verzerrt, die Harmonie weicht einer intuitiven Beschreibung von Feindschaft und Gewalt. Vom anfänglichen höfischen Idyll bis zur puren, kargen Vision einer perfekten Welt umspannt Shechters Choreografie sowohl frenetische Hingabe als auch die für ihn typische dezente Vielschichtigkeit. Die Arbeit begegnet dem ländlichen Schrecken des Kolonialismus mit einer Spur scharfen Humors. Die kraftvolle, virtuose Choreografie befasst sich mit den dunklen Seiten nicht nur der längst vergangenen Kolonialzeiten, sondern auch der unseren. Ein erweitertes Ensemble von 14 Tänzern wird von einem eklektischen Soundtrack begleitet, der auch von Shechter selbst komponierte Musik enthält.

Hofesh Shechter, geboren in Israel und früher Mitglied der Batsheva Dance Company aus Tel Aviv, ist einer der interessantesten zeitgenössischen Künstler Großbritanniens, international gefeiert für seine Choreografien und seine atmosphärischen Partituren. Das internationale Tänzerensemble der Hofesh Shechter Company gelangte durch die Tourneen seiner Stücke „Political Mother“, „Uprising“, „The Art of Not Looking Back“ und „In Your Rooms“ zu weltweitem Ansehen.

Tickets/Category: 35 / 25 / 15 Euro (ermäßigt: 25 / 15 / 10 Euro)

Scott King: The Festival of Stuff I Musik-Performance I 10. und 11. Juli, 23:00 

Wer kennt das nicht? Man kommt nachts leicht angeschickert nach Hause, trinkt noch ein Bier und beginnt, sich durch YouTube zu klicken … und fantasiert sich noch einmal in persönlich bedeutsame Momente der Popgeschichte hinein. Wäre es nicht toll, wenn einige dieser Fantasien Realität werden könnten? Der Londoner Künstler, Grafiker und Autor Scott King befasst sich seit den 90er Jahren mit der Imageproduktion, der Bild- und Zeichenhaftigkeit im Pop; zunächst als Art Director für das i-D Magazin, später als Gestalter von Plattencovern für die Pet Shop Boys, Suicide oder Morrissey. In seinen eigenen Werken umkreist er die scheinbar ephemeren Gegenstände der Popkultur – Gesten, Frisuren, Bekleidung, Accessoires, visuelle Inszenierungen auf der Bühne oder im Videoclip. Dabei vermag King immer wieder zu zeigen, dass das „Wesen“ des Pop gerade nicht in seinem scheinbaren Zentrum, der Musik, zu suchen ist, sondern vielmehr in der Akkumulation des Ephemeren – in jenem „Stuff“, jenem Kram, der auch im Mittelpunkt dieser popmusikalischen Live-Recherche stehen wird.

Tickets: 35/25/15 Euro (ermäßigt: 25/15/10 Euro)

Jeremy Deller: Acid Brass I Konzert, Film und Party I 12. Juli, 20:30 

Acid House und Blasmusik? Das sind zwei musikalische Stile, die man selten miteinander verbindet. Für den britischen Künstler Jeremy Deller – Turner-Prize-Träger und zuletzt Künstler im britischen Pavillon auf der Venedig Biennale – ist der Nachweis ihrer Verwandtschaft und historischen Parallelen eine Mission: Auf einer gewaltigen Bleistiftzeichnung namens „The History of the World“ hat er ihre Kongruenzen kartografiert. Blasmusik stammt aus dem mittleren 19. Jahrhundert, aus der Epoche der Industrialisierung; Acid House kommt aus den 1980er Jahren und ist gewissermaßen gleichzeitig der Soundtrack der De-Industrialisierung. In den 80er und 90er Jahren waren dann Brass und Acid die Sounds der großen politischen Proteste in England: der großen Bergarbeiterstreiks einerseits und der riesigen Raves vor allem rund um London gegen die Criminal Justice Bill andererseits. Ende der 1990er Jahre spielt daher folgerichtig die aus der Nähe von Manchester stammende Fairey Band auf Dellers Wunsch Blasmusik-Arrangements berühmter Acid-House-Klassiker. Bei Foreign Affairs erleben wir die deutsche Erstaufführung von „Acid Brass“. Dazu: ein launiger Vortrag des legendären britischen DJs und Journalisten Dave Haslam, der uns die Arbeit inhaltlich näher bringt, ein Live-Set von Graham Massey, der mit seinem enorm einflussreichen Projekt 808 State auf Dellers Zeichnung vertreten ist, und der selten aufgeführte Film zu Jeremy Dellers Re-enactment des berühmten Bergarbeiterstreiks „The Battle of Orgreave“.

Tickets: 15 Euro (ermäßigt: 10 Euro) 

National Theatre Wales & Neon Neon: Praxis Makes Perfect I Theater I 9. und 10. Juli, 21:00

Gemeinsam mit Neon Neon, dem Popduo aus Wales und L.A., gelingt dem National Theatre Wales die perfekte Fusion aus Konzert und Theater. Mehr Informationen zu diesem Event im Berliner Berghain finden Sie bei unseren Veranstaltungen.