100 Jahre danach: Zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg

100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs sind sich viele Menschen nicht über die globale Dimension und Auswirkung des Konflikts bewusst. Das zeigt eine Studie des British Council, die in Deutschland und sechs weiteren Ländern durchgeführt wurde.

Der Bericht Remember the World as well as the War belegt, dass sich das Wissen über den Ersten Weltkrieg größtenteils auf die Kämpfe an der Westfront beschränkt. Weniger als ein Drittel der 7488 Befragten wussten, dass Gebiete im Mittleren Osten (29%) und in Nord-Amerika (28%) involviert waren. Nicht einmal jeder Fünfte war sich über die Beteiligung Asiens (17%) und Afrikas (11%) im Klaren. Mit der Studie ruft der British Council dazu auf, den 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs zum Nachdenken über die Geschichte zu nutzen. Laut British Council müsse ein besseres Verständnis über den globalen Charakter des Krieges geschaffen werden, der das Vertrauen und gegenseitige Verständnis zwischen Großbritannien und Ländern weltweit bis heute beeinflusse. 

Kaum bekannte Fakten, die die Studie hervorhebt:

• Gandhis erste Kampagne des zivilen Ungehorsams gegen die britische Kolonialmacht im Jahr 1919 entwickelte sich aus der unerfüllten Hoffnung, dass Indiens Kriegsbeitrag von rund 1,5 Millionen Mann mit dem Übergang in die Selbstregierung des Landes geehrt werden würde.
• Mehr als eine Million Soldaten gehörten afrikanischen Hilfstruppen an, die manchmal mit Gewalt zum Kriegseinsatz gezwungen wurden. Mehr als 100.000 von ihnen starben.
Allerdings sind diese Tatsachen in den betroffenen Ländern viel besser bekannt und tragen wesentlich zu deren heutiger Haltung gegenüber dem Vereinigten Königreich bei. Die Befragungen für diese Studie wurden im Auftrag des British Council vom britischen Meinungsforschungsinstitut YouGov in Ägypten, Frankreich, Deutschland, Indien, Russland, der Türkei und Großbritannien durchgeführt. Das Institut befragte in jedem der Länder zwischen 1000 und 1200 Menschen online.

Einige Ergebnisse aus Deutschland im Überblick:

  • 25% der Befragten schätzen den ersten Weltkrieg als eines der drei wichtigsten internationalen Ereignisse der letzten 100 Jahre ein.
  • In den jüngeren Altersgruppen sind die Prozentsätze der Befragten höher, die den ersten Weltkrieg als eines der drei bedeutendsten Ereignisse ansehen: 28% in der Gruppe 18- bis 24-Jährige und 34% in der Gruppe 25- bis 34-Jährige. Im Vergleich dazu liegt der Schnitt der Generation 35+ bei 22%.
  • 30% aller Befragten wissen, dass es an Weihnachten 1914 in Belgien eine inoffizielle Waffenruhe zwischen deutschen und britischen Soldaten stattfand, bei der die Soldaten Fußball spielten (der sogenannte Weihnachstfrieden).  
  • 69% wissen, dass die Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand, die als Auslöser für den Ersten Weltkrieg angesehen wird, in Sarajevo stattfand.
  • Die jüngeren Altersgruppen sind über den Ort des Attentats weniger im Bilde als die Älteren (Gruppe 18-34 Jahre: 56% gegenüber der Gruppe 35-54 Jahre: 66% und dem Segment 55+: 79%).
  • Es gibt zudem markante geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich der Kenntnisse um die Kämpfe zwischen Indien und Deutschland: 32% der männlichen Befragten wussten davon, aber nur die Hälfte der weiblichen. Das Wissen beider Geschlechter variierte ähnlich stark in Bezug auf das deutsch-türkische Militärbündnis. 40% der Männer waren sich darüber im Klaren, dass diese Nationen Seite an Seite gekämpft hatten. Bei den Frauen lag dieser Anteil bei 21%.
  • Insgesamt sind 65% aller Befragten der Meinung, dass die Folgen des Ersten Weltkriegs Deutschland noch immer beeinflussen.
  • 25% aller Befragten stimmen folgender Aussage zu: „Der Erste Weltkrieg und seine Ergebnisse haben einen bleibenden Einfluss auf die internationalen Beziehungen meines Landes und darauf, wie es heute von anderen Ländern gesehen wird“. Die meisten Befürworter dieses Statements fanden sich in der jüngsten Altersgruppe (35%), gefolgt von der ältesten Gruppe mit 27%.

Die zehn häufigsten Assoziationen zum Ersten Weltkrieg der mehr als 1000 Befragten in Deutschland:

Tod / Gas / Schlacht von Verdun / Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand / Vertrag von Versailles / Abdankung von Kaiser Wilhelm II / Hitler / Zerstörung / Armut / 1914-1918