Interview: Marleen Lohse über ihre Rolle als Elisabeth I

Foto: © ZDF/Christina Rose

Die deutsche Schauspielerin Marleen Lohse glänzte vor kurzem als Queen Elisabeth in der ZDF-Doku-Reihe „Frauen, die Geschichte machten“. Wir trafen uns mit Marleen in der Kantine des Berliner Gorki-Theaters zum Tee, um über diese herausfordernde Rolle, ihre Sicht auf das britische Theater und die Unterschiede zwischen Film- und Theaterproduktionen zu sprechen.

BC: Marleen, kannst du dich bitte kurz vorstellen?

Marleen: Hallo ich bin Marleen und bin im Norden Deutschlands aufgewachsen. Ich habe schon sehr früh mit der Schauspielerei angefangen. Mit 12 stand ich das erste Mal vor der Kamera, für die Kinder-Serie “Die Kinder vom Süderhof”, die in der Nähe von Hamburg gedreht wurde. Nach der Schule habe ich mir ein Jahr Zeit zum Reisen genommen. Eigentlich wollte ich immer Regisseurin werden. Aber dann habe ich gemerkt, dass mich die Bühne mehr anzieht und bin an die Hochschule Babelsberg gegangen, um Schauspiel zu studieren.

BC: Also bist du Diplom-Schauspielerin?

Marleen: Genau – nach dem Abschluss, spielte ich mein erstes Stück am Leipziger Centraltheater. Danach bin ich auf verschiedenen deutschen Bühnen, zum Beispiel in Bonn, aufgetreten, bis ich mein Debüt am Berliner Gorki-Theater gegeben habe. Hier bin ich jetzt schon ein Jahr. Parallel zu meinen Auftritten stehe ich regelmäßig für Filmproduktionen vor der Kamera.

BC: Wie war es für dich, eine Königin in der Geschichts-Doku Elisabeth I zu spielen?

Marleen: Diese Rolle habe ich als große Herausforderung empfunden. Eine Persönlichkeit zu spielen, die tatsächlich gelebt hat, bringt immer sehr viel Verantwortung mit sich. Ich habe viele Bücher über Elisabeths Leben gelesen und zahlreiche Filme geschaut, um mich darauf vorzubereiten. Zum Glück war der Regisseur Christian Twente ein echter Elisabeth-Experte, der sein gesamtes Wissen mit mir geteilt hat. Es war toll. Ich habe zudem Unterricht im Bogenschießen und Reiten bekommen. Königin Elisabeth war eine außergewöhnliche Frau mit vielen Fähigkeiten und Talenten. Das hat diese Rolle so besonders aufregend gemacht.

BC: Was hältst du vom traditionsreichen britischen Theater – hast du über die Rolle als Elisabeth einen Zugang dazu bekommen?

Marleen: Elisabeth hat sich für Universitäten, Bildung und Kultur stark gemacht. Unter Ihrer Herrschaft florierte die Kunst in Großbritannien  Poesie, Musik und Literatur erlebten einen Aufschwung und Shakespeares Werke läuteten das goldene Zeitalter des Theaters ein.  Ich habe im Schüleraustausch vor vielen Jahren in London ein Stück gesehen, das von der Elisabethanischen Ära inspiriert war. Ich habe es als sehr volksnahe empfunden. Das Publikum hat sich mit eingebunden. Es gab immer wieder Zwischenrufe. Ein toller Theaterabend.

BC: Würdest du solche Interaktionen auch heute gerne im Theater erleben?

Marleen: Definitiv. Auch hier im Gorki versuchen wir, immer wieder Stücke auf die Bühne zu bringen, die den Zeitgeist aufgreifen. Es geht um Themen, die auf der Zunge brennen und die ich bisher so noch nie im Theater gesehen habe. Eine aufregende Zeit.

BC: Der British Council hat Anfang des Jahres ein Literatur-Seminar veranstaltet, das Shakespeares 450. Geburtstag gewidmet war. Es trug den Titel “Shakespeare – Unser Zeitgenosse?”. Inwiefern stellt Shakespeare für dich als Schauspielerin einen Zeitgenossen dar? 

Marleen: Shakespeare hat mein Interesse am Theater geweckt. Das mag jetzt kitschig klingen, aber als 15-Jährige habe ich das Remake von Romeo & Julia mit Leonardo DiCaprio and Claire Danes im Kino gesehen. Die Sprache hat mich so fasziniert, dass ich mit dem Originaltext jede Szene nachverfolgt habe. Dabei hat sich eine Tür geöffnet – das neue Medium hat mich nicht nur zu der Original-Version des Stücks, sondern auch zur Schauspielerei geführt. Später widmeten wir uns Shakespeare im Studium und spielten Teile seiner Komödie  „Wie es euch gefällt“ unter der Regie von Lukas Langhoff, mit dem ich jetzt auch am Gorki wieder zusammenarbeiten durfte.

BC: Was ist deine von Shakespeare geschaffene Traum-Rolle?

Marleen: Ich kann nicht anders, als mir zu wünschen Julia zu spielen. 

BC: …mit welchem Romeo an deiner Seite?

Marleen: Das bleibt mein Geheimnis...

BC: Bist du im Moment mehr auf der Bühne oder vor der Kamera zu sehen?

Marleen: Jetzt gerade stehe ich öfter auf der Bühne und genieße das sehr.

BC: Ziehst du das Theater generell Film-Produktionen vor?

Marleen: Ich habe da keinen Favoriten. Beide Formate sind stark miteinander verbunden. Das Tolle am Theater ist die Magie der Einzigartigkeit: Was an einem bestimmten Tag auf der Bühne geschehen ist, lässt sich nicht wiederholen. Jeder Zuschauer bringt seine persönlichen Erfahrungen und Gefühle mit, die man als Schauspieler ja auch spürt. Diese gegenseitige Beeinflussung kann etwas ganz wunderbares schaffen, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Mir gefällt es auch sehr, mit dem Kollegen so lange und intensiv an einem Projekt zu arbeiten.

BC: Was gefällt dir an der Arbeit als Filmschauspielerin?

Marleen: Es ist fantastisch, an etwas Schönem mitzuarbeiten, das am Ende ist wie es ist. Ich liebe es, das Endergebnis einer Produktion zu sehen, die sich aus zahlreichen Puzzle-Stücken wie der Regie, dem Schnitt, der Musik und dem Schauspiel zusammensetzt.

BC: Was würdest du jungen Menschen raten, die davon träumen, Schauspieler zu werden? 

Marleen: Wenn es der Traum ist, dann muss man es machen! Was würde ich raten? Sie sollten neugierig und offen sein. Ich kann nur empfehlen, so viele Theaterstücke und Filme wie möglich anzuschauen und sich so oft wie möglich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

BC: Welche Stücke sollten sich unsere Leser dieses Jahr auf keinen Fall entgehen lassen?

Marleen: Ich empfehle unsere Neu-Interpretation von Chekhovs Der Kirschgarten im Gorki anzuschauen.

Ich will nicht zu viel verraten, aber die Besucher können sich auf eine kreative Patchwork-Arbeit aus fantastischer Musik und Sprache freuen, die dem Stück eine besondere Aktualität verleiht. Der Humor und die Komik des Stücks machen es wirklich besonders sehenswert.

 

Weitere Informationen:

Marleen Lohse steht dieses Jahr auch in Schwarze Jungfrauen auf der Bühne. Das Stück gibt es, wie alle anderen Stücke im Programm des im Gorki-Theaters, mit englischen Untertiteln.