Elke Schmitter
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Walberberg 2005: Whose English? |
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Die Straße war frei. Es nieselte, wie oft bei uns in der Gegend, und die Dämmerung ging in Schwärze über - man kann also nicht sagen, daß die Sicht besonders gut war. Vielleicht habe ich ihn deshalb erst sehr spät gesehen, wahrscheinlich aber doch, weil ich in Gedanken war. Ich bin oft in Gedanken. Nicht, daß etwas dabei herauskäme.
Ich war auf dem Weg nach Hause. In der Stadt hatte ich Einkäufe gemacht und Renate getroffen, die für einen Nachmittag nach L. gekommen war. Wir haben einen gezwitschert, aber wirklich nur einen - höchstens zwei. Ich wußte ja, daß ich noch Auto fahren würde; außerdem riecht Ernst meinen Atem ab. Manchmal jedenfalls, wenn ihm danach zumute ist, aus irgendeinem Grund, der gar nichts mit mir zu tun haben muß. Dann kommt er mir schon vor dem Haus entgegen, um mir die Tüten abzunehmen, oder wegen anderer Angeblichkeiten. er streift meine Wange für einen Kuss und zieht die Luft dabei tief ein. Er weiß nicht, daß ich das längst durchschaut habe, weil er sich viel darauf zugute hält, mit seinem Wissen diskret zu verfahren. Er macht mir also nicht sofort Vorwürfe. Er wartet siene Stunde ab, die manchmal nur eine Minute dauert - so lange, wie ich brauche, um mit einem Vorwand durch die Tür zu sein. Oder auch ohne Vorwand, wenn wir allein sind.
Ich habe also nicht viel getrunken. So ein, zwei Sherry vielleicht. Für Weintrinker gibt es in der Konditorei Hirmer nur einen Mosel, der noch auf der Karte steht, weil Hirmer senior bei der Geschäftsgründung vor über neunzig Jahren für Mosel schwärmte, wie damals wohl üblich. Der Wein ist kräftig und für unsere Zeiten zu süß - wobei süß nicht das richtige Wort ist, es ist etwas zu Körperliches an dem Wein, er ist zu schwer für alles außer Sülze. Und Sülze ißt man auch bei Hirmer nicht mehr. Renate und ich trinken dort Sherry. Er geht gewissermaßen gut rein, und er ist auch im Verhältnis nicht so teuer wie Campari oder andere Anständigkeiten. Da nimmt man als Dame also einen Sherry, wenn man in der Öffentlichkeit, ganz ohne Anlass und große Runde, einen zwitschern will.
Excerpt from "Frau Sartoris"
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