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Wissenschaftliche Erforschung des Klimawandels
Sir David King, Chief Scientific Adviser to the H. M. Government

Die Welt wird wärmer. Während des letzten Jahrhunderts hat sich das Klima durchschnittlich um 0,07° C erwärmt. Diese Erwärmung zeigte sich insbesondere während der letzten 30 Jahre – und 19 der 20 heißesten Jahre überhaupt in den letzten 150 Jahren erlebten wir seit 1980. Die Auswirkungen dieser Erwärmung sind erkennbar. Eisdecken schmelzen, Meeresoberflächen steigen und Gletscher auf der ganzen Welt gehen zurück. Die Auswirkungen auf das Leben der Menschen sind bereits jetzt spürbar. Die europäische Hitzewelle von 2003 hat eine geschätzte Anzahl von 30.000 vorzeitigen Todesfällen gefordert und die direkten volkswirtschaftlichen Kosten werden auf $ 13,5 Milliarden geschätzt.

Der Kausalzusammenhang zwischen der globalen Erwärmung und der verstärkten Emission von Treibhausgasen aus menschlichen Aktivitäten – insbesondere von Kohlendioxid – wurde bereits hergestellt und ist über jeden Zweifel erhaben. Während der Klimawandel noch vor einem Jahr in der Berichterstattung als umstritten galt, haben neue wissenschaftliche Erkenntnisse Verständnislücken gefüllt und sämtliche verbleibenden Argumente der Skeptiker zum Schweigen gebracht. Die gute Nachricht – wir wissen jetzt, was vor sich geht und kennen die Gründe. Wir wissen, dass wir unsere Treibhausgasemissionen mit Kohlendioxid als größtem Faktor reduzieren müssen, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden.

Klimaforschung ist mittlerweile eine gereifte wissenschaftliche Disziplin, deren grundlegende wissenschaftliche Aspekte verstanden werden. So können wir den vielfach notwendigen und natürlich auftretenden ‚Treibhauseffekt' begreifen. Sonnenenergie erwärmt die Erdoberfläche, die die Wärme wieder zurück in die Atmosphäre abstrahlt. So genannte Treibhausgase wie Kohlendioxid, Wasserdampf und Methan absorbieren einen Teil der abgestrahlten Energie und wirken wie eine Decke zur Erwärmung der Erde auf eine durchschnittliche Temperatur von ungefähr 15° C. Ohne den Treibhauseffekt würde das uns vertraute Leben auf diesem Planeten nicht existieren, da die durchschnittliche Temperatur bei frostigen -18° C läge. So haben die Treibhausgase und insbesondere das Kohlendioxid eine günstige Auswirkung darauf, unseren Planeten wärmer und bei stabileren Temperaturen zu halten, als dies sonst der Fall wäre.

Es ist jedoch nachgewiesen, dass steigende Konzentrationen von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre zu einem Anstieg der Temperaturen des Planeten geführt haben. Die Konzentration des Kohlendioxids steigt schnell an. Das Diagramm zeigt die Kohlendioxidkon-zentrationen in der Atmosphäre während der letzten 30.000 Jahre. Die atmosphärische Konzentration ist seit Beginn der Industriellen Revolution Mitte des 18. Jahrhunderts um rund 40 % gestiegen und derzeit wird der höchste Anstieg aller Zeiten verzeichnet. Eine solch hohe Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre gab es seit mindestens 650.000 Jahren nicht mehr – wahrscheinlich ist jedoch eher, dass sie seit über 20 Millionen Jahren nicht mehr erreicht wurde.

Die Wissenschaftler können einen Großteil unseres Wissens und Verständnisses vom Verhalten der Atmosphäre unseres Planeten und der Ozeane in Computersimulationen über das Klima zusammenfassen. Der beobachtete Temperaturanstieg lässt sich nicht erklären, wenn ausschließlich natürliche Faktoren in die Simulation einfließen. Er lässt sich nur durch Einbeziehung menschlicher Aktivität erläutern. Zu diesen Aktivitäten zählen die Nutzung fossiler Brennstoffe und unsere veränderte Landnutzung. Weitere Beweise unterstützen diese Sichtweise. Die Modelle, die zur Erläuterung derzeitiger Klimaveränderungen eingesetzt werden, können auch zur Vorhersage unseres künftigen Klimas genutzt werden. Während es bei der Vorhersage künftiger menschlicher Verhaltensweisen und hinsichtlich der wissenschaftlichen Feinheiten Unsicherheitsfaktoren gibt, so existiert doch ein starker Konsens, dass die globale Erwärmung andauern und bis zum Jahr 2100 zu einem Temperaturanstieg von 2-6° C gegenüber 1990 führen wird. Einige neuere Ergebnisse lassen einen noch höheren Anstieg von bis zu 11,5° C erwarten. Dies wird einschneidende Auswirkungen für die verschiedenen Völker und das Leben der Menschen auf unserem gesamten Planeten haben.

Zusammen mit dem Anstieg globaler Temperaturen können wir mit immer extremeren Wetterbedingungen rechnen. Ereignisse der jüngeren Vergangenheit in Großbritannien und anderen Teilen Europas, beispielsweise die schweren Hochwasser im Jahre 2002 und die Hitzewelle 2003 zeigen, dass extreme Wetterphänomene erhebliche Verluste für Menschen und Wirtschaft bedeuten. Höhere Temperaturen werden sich unter starker Einflussnahme regionaler Faktoren auf das gesamte globale Klima auswirken. Es wird in tropischen Regionen unter anderem zu ausgiebigeren Nieder-schlägen, größeren Dürren und stärkeren Überschwemmungen kommen und die Intensität von Hurrikanen und Taifunen wird zunehmen. Die schlimmsten Folgen der globalen Erwärmung werden die ärmsten Länder der Welt treffen, die am verwundbarsten sind und sich am wenigsten auf die Situation einstellen können.

Ein durchschnittlicher globaler Temperaturanstieg um 2° C, der bis zur Mitte dieses Jahrhundert durchaus möglich ist, könnte einen Anstieg um bis zu 4° C für das Zentrum solch großer Kontinente wie Afrika bedeuten. Für einen Kontinent, der bereits von Armut, Hungersnöten und Krankheiten heim-gesucht wird, bedeutet der Klimawandel eine wahrscheinliche Verschlechte-rung der sicheren Versorgung mit Nahrung und Wasser, eine Beschleunigung irreversibler Verluste der Artenvielfalt und größere Bedrohungen für die Gesundheit der Menschen.

Asien ist ebenfalls stark gefährdet. Der Südosten des Kontinents ist besonders vom Ansteigen des Meeresspiegels betroffen. Für Bangladesch würde das Ansteigen des Meeresspiegels um einen Meter einen Verlust eines Fünftels der Fläche des nutzbaren Landes bedeuten – mit direkten Konsequenzen für 15 Millionen Menschen. Ein ähnlicher Anstieg könnte für Indien eine Vertreibung von ungefähr 7 Millionen Menschen aus ihrem natürlichen Lebensumfeld bedeuten. Klimatische Einflüsse werden sich außerdem auf die Sicherheit der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser in der Region auswirken. Jene Menschen, die in tief gelegenen, kleinen Inselstaaten leben, werden unter Umständen gezwungen sein, ihr Lebensumfeld zu verlassen.

Der Klimawandel wird die Auswirkungen der Armut in den Entwicklungs-gebieten dieser Welt durch Verluste in Artenvielfalt und Agrarwirtschaft intensivieren – mit nachteiligen Folgen für die Gesundheit, die sich auf fast jeden gesellschaftlichen Bereich auswirken werden. Es bedarf keiner ausgeprägten Vorstellungskraft, um sich auszumalen, wie sich solche Folgen weit über die direkt betroffenen Regionen hinaus auswirken würden.

Es liegt auf der Hand, dass wir handeln müssen und keine Zeit zu verlieren haben – sowohl, um die künftigen Auswirkungen des Klimawandels zu reduzieren als auch auf die Folgen zu reagieren, die bereits jetzt unvermeidbar sind. Der Klimawandel kennt keine nationalen Grenzen und alle Teile der Welt werden betroffen sein, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Es handelt sich um ein globales Problem, das nach globalen Lösungen verlangt. Und je früher wir beginnen, umso mehr Möglichkeiten stehen uns zur Verfügung, umso geringer sind die Risiken und Kosten und umso größer sind unsere Erfolgschancen.

Globale Aktivitäten haben bereits begonnen. Eine internationale Konvention, die United Nations Convention on Climate Change , wurde 1992 erstmalig verabschiedet und ist bisher von 189 Ländern unterzeichnet worden. Die Konvention setzt das ultimative Ziel, Treibhausgasemissionen auf einem Niveau zu stabilisieren, das ein zerstörerisches Eingreifen menschlicher Aktivität in das klimatische System verhindern würde. Bei diesem Rahmenwerk spielt das Kyoto-Protokoll eine Schlüsselrolle. Es erlegt jenen entwickelten Industrienationen, die es ratifiziert haben, rechtsverbindliche Zielvereinbarungen auf. Die Zielsetzungen sind von Land zu Land unterschiedlich und streben insgesamt eine Reduzierung der Gesamt-emission von 6 Treibhausgasen um 5,2 % unterhalb der Konzentration von 1990 im Zeitraum von 2008 – 2012 an. Es sind jedoch umfassende Programme zur Umsetzung dieser Ziele notwendig.

Die Regierungen werden stets eine wichtige Rolle bei der Lösungsfindung spielen, da sie den Rahmen für die Entscheidungen von Bürgern und Unternehmen schaffen. Beim Klimawandel geht es jedoch nicht nur darum, was Staaten tun können. Andere Beteiligte müssen ebenfalls mit vollem Engagement einsteigen. In gewisser Hinsicht ist jeder Teil des Problems und kann und muss aus diesem Grund auch zu einem Teil der Lösung beitragen.

As Gesellschaft müssen wir mit neuen, innovativen Wegen aufwarten, um den Herausforderungen zu begegnen und die Chancen zu nutzen. Wir müssen versuchen, klüger zu produzieren und zu konsumieren, neue, nachhaltigere Formen zum Wachstum und zur Förderung ökonomischer Aktivität finden, während wir gleichzeitig das Umschwenken zur Kohlenstoffneutralität beschleunigen. Wir benötigen neue, alternative Energiequellen, verbesserte Möglichkeiten zum Umgang mit den Ressourcen der Erde, effizientere Verkehrsmöglichkeiten für Menschen und Güter und eine integrativere globale Gesellschaft.

Als Bürger müssen wir uns in der Lage sehen, Veränderungen in unserem Alltag einzuführen, die Resultate zeigen. Die Isolierung unserer Häuser, das Ausschalten des Lichts, Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zurückzulegen sind nur einige Beispiele der vielen einfachen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen. Sie verringern unsere Lebensqualität nicht, wirken sich unter Umständen positiv auf unsere Gesundheit aus oder sparen Geld und unterstützen die Abwendung des Klimawandels. Die Auswirkungen unserer Handlungen werden sich genauso wenig wie die Folgen der Emissionen, die wir produzieren, nicht sofort zeigen. Unsere Kinder und Enkel werden jedoch mit Sicherheit von den positiven Auswirkungen profitieren.

Meiner Ansicht nach ist der Klimawandel unsere größte globale Heraus-forderung. Ob wir bei schon jetzt und in den kommenden Jahrzehnten notwendigen Schritten zur Bekämpfung des Klimawandels erfolgreich sein werden oder scheitern, wird sich über künftige Jahrhunderte auswirken. Falls der Klimawandel ungehindert fortschreitet und wir uns nicht umstellen, können die Auswirkungen katastrophale Ausmaße annehmen. Dies ist ein schwerwiegendes Problem und die Lösung wird nicht einfach sein. Aber mit Engagement und Innovation können wir es schaffen.


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