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Burning Ice, The Cold Library of Ice, Sadness Melts – Worte, die auf eine Gletscherwand projiziert werden, während der Kapitän die Noorderlicht auf 5 Meter an Eis heranmanövriert, das seit Zehntausenden von Jahren nicht der Luft ausgesetzt war. Das Eis bröckelt und stürzt krachend ins Meer – und mit ihm seine Geschichte, die bald dahingeschmolzen sein wird. Eine Million Jahre der Geschichte unseres Planeten sind in der Eisschicht einge-schlossen, die drei Kilometer weiter entfernt liegt. Aus jeder kleinen Blase strömt nach Freilegung Luft aus der Vergangenheit der Erde und erzählt Geschichten von Temperatur, CO 2 -Konzentrationen und der Chance auf Leben. Das Eis, an dem wir in der Dämmerung eines kalten Morgens vorbeisegeln, ist die Bibliothek unserer Vergangenheit, die wir nun, als Ergebnis unserer unverantwortlichen Handlungen, zum Schmelzen bringen – Burning Ice.
Die Künstler, die bei den Cape Farewell Expeditionen dabei waren, haben persönliche Geschichten von Veränderung erzählt. Sie haben bei ihren Arbeiten das menschliche Maß an ein globales Problem angelegt. Wir haben den Klimawandel an vorderster Front erlebt. In der Hohen Arktis kann man beobachten, wie schnell das Eis tatsächlich schmilzt und wie sich das Gleichgewicht unseres Planeten verändert.
Auf den Planeten Mars und Saturn besteht die Atmosphäre hauptsächlich aus CO2 , einem leblosen Gas in einer Welt ohne Leben. Vielleicht ist es das Leben selbst, das auf der Erde ein Gemisch von Gasen – Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff – arrangiert hat, die wiederum für neues Leben sorgen. Der Lebenszyklus wird im biologischen Gleichgewicht gehalten. Wir fügen nun diesem Cocktail eine gefährliche Konzentration von CO2 hinzu, um unsere Bedürfnisse nach übermäßigem Konsum zu befriedigen. Laut Aussage von Klimaforschern sind wir derzeit noch 20 bis 30 Jahre von jenem Moment entfernt, an dem das Gleichgewicht kippen wird. Von dem Augenblick an, wo mehr noch mehr erzeugt, wird der kritische Punkt des Abschmelzens erreicht, ab dem CO2 in der Atmosphäre soviel Hitze auf sich zieht, dass es sich selbst kontinuierlich weiter ausbreitet. Hitze wird zu mehr Hitze, Leben zu weniger Leben.
Ich könnte Beifall jubeln, während wir eine weitere 60.000 Tonnen schwere Eiswand ins Meer stürzen sehen. Es ist ein spektakuläres und eindrucksvolles Erlebnis. Ich fühle jedoch keine Begeisterung, sondern Wut. Wie können wir so unverantwortlich und verschwenderisch mit dem Leben unserer Kinder umgehen? All das müsste nicht sein – wir verfügen bereits über die technischen und wirtschaftlichen Fähigkeiten, die von uns benötigte Energie zu erzeugen, ohne dabei die Schönheit unseres Lebensumfelds zu bedrohen – die Schönheit und letztendlich das eigentliche Überleben selbst.
Während der letzten 160 Jahre haben wir die Hälfte der von der Natur sorgfältig gehüteten Kohlenstoffreserven ausgegraben. Durch diesen Prozess wurde CO2 aus der Atmosphäre entnommen. Der Überschuss wurde gespeichert und das Gleichgewicht der Gase, aus denen neues Leben entsteht sowie die erstaunliche Artenvielfalt unseres einzigartigen Planeten blieben erhalten. Heutzutage verbrennen wir eine Tonne Kohle, gewinnen magere 35 % Energie aus ihr und blasen mehr als drei Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Ein ausgesprochen schmutziger Tausch – unnötig, die Umwelt verschmutzend und untragbar.
Der Name‚ "Cape Farewell" spielt mit dem Begriff ‚Farewell', der uns beim Abschied gute Wünsche mit auf den Weg gibt und in diesem Zusammenhang ein Gefühl von Verlust und Endgültigkeit sowie gleichzeitig die Wahrnehmung eines Kaps als einen Ort der Umkehr hervorrufen kann. Wir stehen vor Entscheidungen. Die Kunst und die Texte in diesem Buch zeigen eine bestimmte Vorstellungswelt. Können wir in unserer Vorstellungswelt einen Platz schaffen – neben unserem Selbstbild, unseren Bedürfnissen und Sehnsüchten, unseren familiären und gesellschaftlichen Beziehungen und Verpflichtungen – alles im Dienst einer größeren Vision? Können wir mit unserem geistigen Auge einen rein biologisch begründeten Drang nach Leben erfassen, der unsere alltäglichen Mühen überwindet und uns ermöglicht, unser Leben mit den Bedürfnissen unseres Planeten in Einklang zu bringen? Wenn Entscheidungen anstehen, müssen wir danach streben, die Möglichkeit unserer Lebensfähigkeit zu erhalten – im eigenen Interesse. Dies können wir jedoch nur erreichen, wenn wir uns alle an einem kollektiven System der Nachhaltigkeit beteiligen. Es ist ganz einfach – wir sind stets darauf bedacht, die Luft weniger mit CO2 zu belasten – und überzeugen andere, es uns gleichzutun.
Ich zitiere die Wissenschaftlerin Lynn Margulis mit der Schlussbemerkung aus ihrem Buch: „The Symbiotic Planet: A New Look at Evolution“:
Bis heute haben wir Menschen unsere Überlegenheit nur durch eines bewiesen – Expansion. Wir sind nach wie vor schamlos und grob und folgen den neuesten Trends – auch wenn wir zahlenmäßig immer mehr zunehmen. Unsere Härte ist unsere Selbsttäuschung. Besitzen wir die Intelligenz und die Disziplin, unserer Neigung nach grenzenlosem Wachstum zu widerstehen? Der Planet wird unseren Völkern kein weiteres kontinuierliches Wachstum ermöglichen. Außer Kontrolle geratene Populationen von Bakterien, Heuschrecken, Kakerlaken, Mäusen und Gras sind stets zum Scheitern verurteilt. Wenn es zu eng wird und Ressourcen zur Neige gehen, verursachen deren Absonderungen Ekel. Krankheiten als sich opportunistisch ausbreitende Populationen des ‚Andersartigen' sind die Folge…. Wir Menschen sind genau wie unsere Freunde auf diesem Planeten. Wir können der Natur kein Ende setzen, sondern nur für uns selbst zur Bedrohung werden.
S. 126 Lynn Margulis: „Symbiotic Planet: A New Look at Evolution“, Basic Books, Massachusetts , 1998 |